Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 9
8./9. Februar 2026 (Slowakei - Trenčín)
Alles hat ein Ende, nur der Durst hat zwei
Das Abenteuer «Trenčín 2026» ist für Team Liechtenstein mit einer langen Heimreise zu Ende gegangen. Zuvor war noch was los.
Fangen wir mal am Sonntagmorgen an. Um es zu wiederholen: Wir waren verdammt stolz, dass wir nicht zum Spiel um den letzten Platz antreten mussten. Und wir geben es zu: Nicht alle haben nach der samstäglichen Partie Frankreich gegen Österreich gemerkt, dass wir am Sonntag gegen den Sieger dieses Spiel antreten dürfen. Macht der Gewohnheit, und so. Jedenfalls war im Spiel um Rang 5 die deutsche Sprache Trumpf – die Mehrheit bei den Ösis sprach Deutsch (oder sowas Ähnliches), wir auch (naja, die meisten), da passte es, dass auch zwei Schweizer Schiris pfiffen. Und dass die beiden mal etwas länger brauchten, bis sie ein Foul pfiffen, ist dem Duo bekannt. «Wir sind halt Berner», erklärten sie schmunzelnd.
In besagtem Spiel um die «Goldene Ananas» setzten sich die Franzosen gegen Island durch. Wir fühlten mit den Isländern mit – vier Spiele, vier Niederlagen, nicht so lustig. Etwas irritiert waren die französischen Spieler. «Jetzt haben wir gewonnen und sind trotzdem schlechter als Liechtenstein», war von «Les Bleus» zu vernehmen. C’est la vie.
Unsere Partie gegen den Nachbarn war ganz unterhaltsam. Und das ist eigentlich auch das grösste Kompliment an Liechtensteins Spieler. Das war keine Abwehrschlacht und beten auf eine zu hohe Niederlage. Nein, da wurde mitgespielt, oft auf Augenhöhe, manchmal auch mit genialen Momenten. So wie im Mitteldrittel, als sich Tres den Ball hinter dem eigenen Tor erkämpfte, wie so oft in einem wilden Hurra nach vorne stolperte, dreimal den Ball verlor, wieder zurückeroberte und dann tatsächlich noch ein Tor erzielte. Ein unfassbarer Treffer, Coast to Coast, für uns ganz klar das Tor des Turniers. Und wenn die Social-Media-Crew mal wieder ansprechbar ist, wird sicher noch ein entsprechendes Filmli online gestellt.
Ganz gereicht hat es gegen Österreich halt noch nicht. Und wie schon mal gesagt: Noch nicht. Aber irgendwann schaffen wir es, dumme Gegentore zu vermeiden und klare Torchancen zu nutzen. Da wir aber wieder mal fünf Treffer erzielten (mehr als in den drei Partien zuvor…), haben wir mittlerweile auch herausgefunden, was unser Torsong ist. «Foot Steps» von Arias & Greg Carrone, hiess der Duzz-Duzz-Klassiker. Eine eingängige Nummer, aber wieso ein französisches DJ-Duo für uns ausgewählt wurde, wissen nur die Organisatoren. Bei Österreich wars schon passender. «I am from Austria», säuselte da Reinhard Fendrich die inoffizielle Nationalhymnne. Unser Favorit war aber der dänische Torsong: «HandClap» von Fitz and the Tantrums. *klatschklatschklatschklatsch* Es ist aber nur ein Gerücht, dass wir gegen die Dänen im Schlussdrittel acht Gegentoren zuliessen, um beim Torsong mitzuklatschen…
Strahlen durfte auch wieder mal Kaiser Franz. Nicht, weil er einen frischen Kafi in der Hand hielt (was gefühlt zehnmal pro Tag der Fall war), sondern weil er endlich den schwedischen Wimpel erhielt. Dieser war mittlerweile in Trenčín eingetroffen. Der Staff übergab ihn dann am Sonntag unserem Franz. Und ganz ehrlich: Die Schweden haben zwar nicht den sympathischsten Auftritt hingelegt in Trenčín, Wimpel können sie aber. Tag, Ort und Begegnung waren auf einem XXL-Wimpel fein säuberlich aufgestickt. Zum Glück wurde nicht nachträglich auch noch das Schlussresultat…
Nach dem Spiel gegen Österreich wartete schon der Zmittag in der Kabine. Das Magnus Hotel machte es möglich. Frisch gekocht und «nach Haus» (sprich in die Sporthalle) geliefert, ein Träumchen. Mit diesem Hotel hatten wir wirklich das grosse Los gezogen. Die Zimmer in Turnhallengrösse, die Wege kurz und das Essen ein Gedicht. Und auch jeder Sonderwunsch wurde umgehend erfüllt. «Wie soll ich das bloss toppen?», fragte sich Kaiser Franz zurecht. Das wird echt schwer. Es reicht aber schon mal, den Standard zu halten. Eine Steigerungsmöglichkeit gibt es allerdings: Die Baustelle vor dem Hotel (respektive der Eishalle) hätte nicht sein müssen.
Im Konferenzsaal gabs dann auch den legendären Abrieb von Coach Kipfi. Aber wie immer heisst es an dieser Stelle: Was dort gesprochen wird, bleibt auch dort. Sagen kann man aber, dass der Coach langsam altersmilde wird und vor allem kein Fan von Oberlippenbärtchen ist. Und die KI scheinbar nicht von Kipfi. Die mit viel Mühe von ihm erstellten KI-Bildern glichen am Ende alle Capitano Feldi. Nur dessen KI-Bild sah so aus, als wäre es nach vier Wochen Vollpension im «Magnus» erstellt worden…
Der «Abrieb» war dann auch der Startschuss für die Abschlussfeierlichkeiten. In einem Pub neben der Sporthalle hatte Kaiser Franz reserviert. Die Burger fettig und günstig, das Bier lecker und günstig – eine gelungene Wahl. Verhältnismässig gesittet ging es dort noch zu und her, sieht man vom fliegenden Glas aus des Kaisers Hand ab. Sense war dort aber schon um 23 Uhr. Fuchs Häsi hatte aber noch einen Schuppen in der Altstadt ausgemacht, der eine Stunde länger – also bis um Mitternacht – geöffnet hatte. Das «Elements» wollte allerdings schon seine Tore mangels Gäste schliessen, als Team FL auftauchte. «Wenn ihr genug trinkt, öffne ich wieder», lautete die Bedingung des Wirtes. Worte, die er dann später wohl bereut hatte. Sagen wir es so: Um 23:50 gabs ein paar Rote Karten. Und die Nachbarn vom «Elements» kennen jetzt auch die «Venus aus Bümpliz»…
Einige drehten danach noch Ehrenrunden, andere versuchten auf direktem Weg ins «Magnus» heimzulaufen. Die meisten schafften dies auch, ein paar brauchten etwas länger. Aber wir sind ja ein Team und notfalls gibt’s auch Unterstützungshilfe. Nur den Super Bowl hat wohl keiner bis am Schluss geschaut. Nach der Halftime-Show war bei den Football-Fanatikern Lichterlöschen angesagt. Herrlich dann die Meldungen am Morgen im Teamchat: «Bei uns im Zimmer liegt noch ein Paar Schuhe. Und wer hat meine mitgenommen?» Das Problem von weissen Sneakers…
Jedenfalls schafften es alle pünktlich zur Abfahrt des Busses Richtung Bratislava. Von dort gings dann wieder per Zug nach Wien, wo dann auch genug Zeit für Mittagessen blieb. Oder dem Einkauf im Manner-Shop. Onkel Wugge erinnerte uns danach an einen legendären Werbeslogan für die «Manner»-Waffeln: «Ein Aufriss, zehn Schnitten» - davon träumten die Schürzenjäger auch am Sonntagabend…
Um die Mittagszeit begann dann das Schulreisli zurück in die Heimat. Die ÖBB liess sich wiederum Zeit. Schon nach drei Minuten (geplanter) Fahrzeit, hatte unser Zug elf Minuten Verspätung. Die restlichen sechs Stunden waren dann etwas zäher als auf der Hinfahrt. Immerhin brachte die Übertragung der Olympischen Spiele etwas Abwechslung. Slopestyle der Frauen hat da spontan einige neue Fans gefunden. Andere begaben sich natürlich wieder ins Bistro auf «Schnitzeljagd». Aber wir können alle beruhigen: Dieses Mal gabs kein Drama infolge kurzfristiger Kündigungen.
Am Abend traf dann Team Liechtenstein in Feldkirch ein und es hiess wieder mal Abschied nehmen nach einer intensiven Woche. Es ist einfach immer wieder speziell auf ganz verschiedenen Ebenen. Sportlich, da man eine Woche wie ein «Profi» lebt (eat, play, sleep – and repeat) ebenso auf menschlicher Ebene. Dass 27 verschiedene Charaktere zu einer funktionierenden Gemeinschaft werden, ist keine Selbstverständlichkeit. «It’s family», sagte Kultgoalie Päsci vor zwei Jahren in einem legendären Interview. Dies gilt auch jetzt noch. Und wir freuen uns auf die letzte Quali in der bisherigen Form im November 2027. Auf die Schweden können wir verzichten, dafür haben wir Hunger auf mehr bekommen. Bis bald.
