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Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 7

6. Februar 2026 (Slowakei - Trenčín)

 

Die Krone ist gerichtet

Jubel! Der Sieg gegen Island hat gut getan. Sehr gut. Hier ein paar Geschichten an einem besonderen Tag.

Die Häme nach der 0:44-Klatsche gegen die übermächtigen Schweden war gross. Wir geben es zu: Als «Depp der Unihockeywelt» dazustehen, ist nicht grad die coolste Sache. Vor allem wenn man viel Zeit und Geld für ein Hobby opfert. Darum hat der Sieg gegen Island doppelt und dreifach gut getan. Vom 0:44 zum 3:2 – das muss uns erst mal einer nachmachen.

Einer hatte ein ganz grosses Strahlen im Gesicht: Unser Kaiser Franz. Seit Menschengedenken ist er der Hauptgrund, dass es eine Unihockey-Nationalmannschaft in Liechtenstein gibt. Penibel wird da Monate voraus schon alles (oder fast alles) für die WM-Qualifikation geplant und organisiert. Einen Sieg seines Teams hat er aber tatsächlich seit 16 Jahren nicht mehr live erlebt. Bei der Quali 2022 konnte er den bereits verschobenen London-Urlaub nicht mehr weiterverschieben. Im Hotel durfte er damals das 4:2 gegen Belgien erleben. Seine emotionale Kabinenrede heute endete mit den Worten: «Es ist so schön, in zwei Jahren muss ich wieder dabei sein.»

Eine lange Durststrecke hatte auch der Presseheini hinter sich. Erstmals (!) überhaupt konnte er die Worte «mit dem Sieg steigern sich die Chancen Liechtensteins auf eine WM-Teilnahme» in einem Spielbericht schreiben. Die ersten beiden Erfolge kamen bei Platzierungsspielen zustande, beim dritten Natisieg ging es «nur» noch um den vorletzten Gruppenplatz. Aber, um allfälligen Gerüchten vorzubeugen: Wir bleiben realistisch. Die Unterkunft für die WM in Finnland im Dezember ist noch nicht gebucht. Mit Betonung auf: Noch nicht.

Lautstarke Unterstützung gab es heute auch von der Tribüne. Wie schon gestern sorgten die Familien von Jan und Häsi für gehörigen Support. Vielen Dank, dass ihr die lange Reise angetreten seid! Dazu kam auch eine Schulklasse aus Trenčín, die sich vermutlich vorgängig im Geografie-Unterricht mit dem Fürstentum auseinandergesetzt hat. Lautstark skandierten sie «Liechtenstein! Liechtenstein» oder «schiesst ein Tor!». Als ein Isländer nach einem Schubser des Capitanos liegen blieb, ertönte gar ein «Simulant!» aus den jungen Kehlen. Grosses Kino. Als Dank gab es dann Liechtenstein-Caps und -Handtücher von Kaiser Franz. Ein junger Fan erhielt gar ein altes Einspielleibchen. «Er fragte nach einem Autogramm von Mario. Ich war grad so im Hoch, dass ich ihm auch ein Trikot schenkte», so Kaiser Franz. Und wir haben einen neuen Fan mehr.

Einen kuriosen Moment gab es nach Spielschluss. Als bester Spieler Liechtensteins wurde «the number 88, Pascal Muller» ausgerufen. Päsci hat zwar viel Einsatz gezeigt, aber halt «nur» als Einpeitscher in der Bande. Gespielt hat er keine Sekunde. Wollte der IFF uns verarschen? Schnell zeigte sich: Der Speaker hatte sich verlesen. Die 88 war der beste Spieler Islands, Kristofer Rönnlund. Bei uns war es die 99, Müllers Goaliekollege Lukas Good. Dessen Freude über die Auszeichnung war verhalten. «Mist, schon wieder vor die Kamera», lautete sein erster Kommentar. Die besten Spieler müssen jeweils nach Spielschluss zum Interview – und Fragen auf Englisch beantworten. Good luck!

Apropos bester Spieler Islands: Starspieler Andreas Stefansson fehlte auch heute im isländischen Aufgebot. Der Stürmer von AIK Solna hat uns vor zwei Jahren bei der 6:7-Niederlage das Leben recht schwer gemacht. Wo er in diesem Jahr ist, haben wir bis jetzt noch nicht herausgefunden. Vermutet wird eine Verletzung. Oder er reiste mit den Schweden an und blieb mit dem Material in Kopenhagen stecken. Wobei: Heute kam scheinbar die schwedische Tenütasche in Trenčin an. Beim 10:1 gegen Dänemark siegten die Schweden in ihren richtigen Trikots. Und diesmal hielten die Nummern auch bis Spielschluss…

Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt dieses Tagebuches. Unser Lieblingszüzi Robin musste ja leider, leider seine Aktivkarriere frühzeitig beenden. Seither wirkt er als Sportchef der NLA- äh LUPL-Frauen der Kloten-Dietlikon Jets. Für die diesjährige Kampagne kehrte Robin aber als Co-Trainer in die Nationalmannschaft Liechtensteins zurück – und wie. Dass er mit dem Auto in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Bratislava durchfuhr, haben wir ja schon mal erwähnt. Sein Audi war aber rappelvoll mit Material gefüllt. Material, welches genutzt wird, um der Kabine einen Top-Top-Upgrade zu verleihen. Von Holzklasse zu Business, könnte man fast schon sagen. In den Landesfarben Blau und Rot strahlt die Kabine nun, dazu gibt’s Snacks en masse und auch eine Kaffeemaschine steht bereit. Absolute Weltklasse! Gut eine Stunde vor dem Team machen sich Robin und sein Helfer Remo jeweils auf den Weg, um die Kabine zu dekorieren. Ganz herzlichen Dank dafür!

Ach ja, bevor wir es vergessen: Die Partie gegen Dänemark ist eigentlich schon entschieden. Beim gemütlichen Cappuccino in der Lieblingsbeiz mit der charmanten Bedienung wurde der Staff plötzlich von einem Mann angequatscht. Er sei Däne, sagte dieser und wegen der WM-Quali hier. «Wir spielen ja morgen gegeneinander» – danke für die Erinnerung, hätten wir fast vergessen. Beim Einchecken im Hotel müsse er etwas in bar bezahlen, erzählte er weiter, ob wir ihm mit acht Euro aushelfen könnten. Konnten wir und gaben dem guten Mann zwei Fünf-Euro-Scheine mit. «Dafür lässt ihr uns aber morgen gewinnen», lautete die Staff-Forderung. «Kein Problem», schallte es uns entgegen. Wehe die Dänen halten sich nicht an die Abmachung!
 

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(Bild IFF)

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