Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 1
31. Januar 2026 (Slowakei - Bratislava)
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Schulreisli nach Bratislava
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Team Liechtenstein ist wieder auf grosser Fahrt – und diesmal wortwörtlich. Mit dem Zug gings in den Wilden Osten nach Bratislava. Der erste Halt der diesjährigen WM-Quali.
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Am Anfang stand ein Mail. «Fände es aber auch toll, wenn wir z.B. mit dem Zug reisen würde», schrieb Kultgoalie Päsci Mitte September an Kaiser Franz – und drückte in bester Boomer-Manier gleich auf «an alle antworten». Wussten denn auch alle Bescheid.
Jedenfalls: Die Idee fand Gefallen und so machte sich Team Liechtenstein nun in aller Herrgottsfrühe auf zum Bahnhof und tuckerte mit der ÖBB Richtung Wien. Schulreisli-Vibes par excellence! Wir haben ja schon viel gemacht, aber mit der Bahn fuhren doch noch nie zu einer WM-Qualifikation.
Ganz böse Zungen fragten sich: Können die Liechtensteiner, die – Achtung Klischee – mit den drei Autos in der Garage, überhaupt Zug fahren? «Seher», hiess die Antwort. Souverän hatte Kaiser Franz die Sitze reserviert – die Trilliarden Skitouristen, die Richtung St.Anton pilgerten, mussten dann halt auf die Stehplätze. Sorry, not sorry.
Acht Stunden dauerte das Fahrtvergnügen. Da muss natürlich auch was gegessen werden zwischendurch. Die einen setzte auf Gyros, andere auf deftige Hausmannskost (Hallo Landjäger) und noch andere gönnten sich den Speisewagen. Dort gabs grad mal Spektakel: Eine Mitarbeiterin kündigte fristlos in Innsbruck, nachdem sie eh nicht am Samstag arbeiten wollte und dann noch von einem Gast angepampt wurde. Heulend schloss sie sich auf der Toilette ein, während ihr Chef am Telefon kurzerhand Ersatz organisierte. Um allen Spekulationen vorzubeugen: Nein, es war niemand vom Team Liechtenstein, der hinter den Tränen der armen Frau stand.
Jedenfalls sahen wir sehr viel Österreich. Schnee, Nebel, Sonne – alles dabei. Und die ÖBB meinte es sehr gut mit uns: Ganze 45 Minuten später als geplant, fuhr der Zug im Wiener Hauptbahnhof ein. Zwischenzeitlich hatten wir sogar Angst, dass der Nachtzug, mit welchem Medizinmann Marcel sich nach Wien aufmachte, uns noch überholen würde. Jedenfalls, den Anschlusszug nach Bratislava – Ziel der ersten Etappe – verpassten wir um zehn Minuten. Hiess: 50 Minuten warten auf den nächsten Zug. Immerhin waren wir nach den acht Stunden Zugfahrt immer noch topfit: Innert Sekunden wurde das halbe Abteil gekapert.
In Bratislava gab es dann mal einen schönen Fussmarsch zum «Crowne Plaza», unserem Hotel nahe der Altstadt. Die Blicke des Concierge nach unserem Einmarsch liessen nichts Gutes erahnen. Prompt dauerte das Einchecken etwas länger, auch weil im Hotel-Buchungssystem kein Land namens Liechtenstein zu finden war. Frechheit! Wurden wir halt zu Schweizern. Immer noch besser als Litauen oder Luxemburg, L-Länder, die im Hotelsystem vorhanden gewesen wären.
Nach der langen Reise taten eine Dusche und ein warmes Bett gut. Allerdings stand schon bald Nachtessen auf dem Programm. In der Altstadt wurden wir auch in einem Pub mit der Aufschrift «For Bigger Groups» fündig. Burger, Fritten, Bier – lieben wir. Am Sonntag wird dann die Altstadt auch bei Tag erkundet. Wir sind gespannt.
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