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Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 6

01. Februar 2024 (Lettland - Liepaja)

Ein Krimi mit Rekord

 

Von Oben-ohne-Fans, grossen Schmerzen und gewagten Rechnungen ist im sechsten Tagebuch die Rede.

 

 

Gestern haben wir das Tagebuch mit unseren Fans aufgehört, diesmal beginnen wir mit ihnen: Es ist immer noch ein wenig surreal, dass auf der Tribüne «Hopp Liechtastaa»-Rufe zu hören sind. Und heute waren sie ganz besonders gut zu hören – um 13 Uhr Lokalzeit verloren sich nur wenige Schaulustige ins Olimpiskais Centrs. Zudem organisierten die Schaaner Ladies auch eine grosse Trommel von einem lettischen Fan. Kostete sie zwar vier Bier gestern Abend im Ausgang, aber die acht Euro waren gut investiert. Einzig, dass gewisse Trommlerinnen schon über Blasen an den Fingern klagten nach Spielschluss, war ein bedauerlicher Kollateralschaden. Medizinmann Marcel wüsste aber Rat.

 

Ähnlich erging es auch dem Schreiberich, der wie beim letzten Mal als «Water Boy» für die mittlerweile berühmten kühlenden «Magic Towels» während der Partien zuständig ist. Schon beim ersten Spiel musste der blutende Daumen behandelt werden, nach dem zweiten Spiel zeugten Schwielen an den Händen von kräftezehrender Arbeit. Ein Schmunzeln konnte sich Landschaftsgärtner Sven Schneider nicht verkneifen. «Schaffsch nöd ufem Bau», lautete sein Kommentar. Nun ja, die Tasten werden noch getroffen, der «Schmerz» ist aushaltbar.

 

Apropos Fans: Lautstark feuerten auch die isländischen Anhänger – alle ausgestattet mit einem Teambadge und im Hotel Amarita einquartiert – ihr Team an. Allen voran unser Freund «Aquaman», der sich während des Einschiessens auf der Tribüne mit einem Tänzchen auf das Spiel eingroovte. Die Schlussphase des Krimis gegen Liechtenstein verfolgte er dann oben ohne. Dabei glich er aber eher weniger an «Aquaman»-Darsteller Jason Momoa, denn mehr an den kürzlich zurückgetretenen Footballer Jason Kelce. Wer sich das bildlich vorstellen will, der google «Jason Kelce topless». Aber nicht sagen, er sei nicht gewarnt worden.

 

Wie gesagt, die Partie gegen Island war ein Krimi. Aber das Schöne daran: Fairplay wurde echt grossgeschrieben. Nach Fouls sofort eine Entschuldigung und/oder eine Umarmung, nach der Partie ehrliche Gratulationen zur guten Leistung. Es hilft, wenn man sich täglich im Hotel über den Weg läuft und nebeneinander speist. Und wir mögen die Islandisten einfach. Etwas weniger die lauten französischen Gang-Nachbarn. Der Unterschied zu uns: Auch die Franzosen haben zwar auch «Luxus-Suite» mit der Grösse einer Turnhalle, doch diese dient in erster Linie als «Party-Zimmer», während bei uns «Kaiser Franz» in seinem Reich die Ruhe geniesst. Und viel Material lagert.

 

Was fast ein wenig unterging: Gegen Island schoss Liechtensteins Unihockey-Nationalmannschaft erstmals überhaupt sechs Tore in einem Spiel. Fünf Treffer gelangen bisher dreimal, aber sechs waren es tatsächlich noch nie. Das mag auch am extra verlegten Gerflor-Hallenboden liegen. Man sollte meinen, dass dies mittlerweile Standard ist bei Qualiturnieren – die Antrittsgebühren werden jedes Jahr höher -, aber wie wir feststellten, wird beim Turnier im slowenischen Skofja Loka tatsächlich immer noch auf Parkett gespielt. Die dort gastierende Schweizer Nati wird wohl ihre helle Freude daran haben.

 

Bei den Worten «Skofja Loka» - 2016 war das Team Liechtenstein dort zu Gast - zucken die damaligen Teilnehmer immer noch zusammen. Neben dem holprigen Parkettboden in einer Schulturnhalle, die wohl zu Zeiten gebaut wurde, als im Osten die Länder noch Tschechoslowakei und Sowjetunion hiessen, ist vor allem die Verpflegung in (schlechter) Erinnerung geblieben. Die Mahlzeiten in der Schulkantine (!) waren so fettig, dass manchem trotz Heisshunger der Appetit verging. Da schätzen wir die Küche hier im «Amrita». Die Auswahl ist zwar nicht riesig, dafür gibt’s genug und ist schmackhaft. Und es gibt keinen Buchweizen. Das ist das Wichtigste.

 

Zum Schluss noch kurz zum Sportlichen: Wir haben uns ja positives Denken angewöhnt. Darum sei an dieser Stelle noch gesagt: Theoretisch ist Rang 3 in der Tabelle – und somit die Teilnahme am Play-off-Spiel für die WM im Dezember – immer noch möglich. Allerdings, das müssen auch die grössten Optimisten zugeben, ist die Chance eher klein, um es diplomatisch auszudrücken. Es bräuchte einerseits eine hohe Niederlage Islands gegen Lettland (am besten in der Höhe unserer Niederlage), andererseits müssten wir wohl noch rund 15 Tore schiessen gegen Deutschland. «Und keines kriegen», wie Cheftrainer Kipfi richtig anmerkte. Beides anspruchsvolle Aufgaben. Aber wie gesagt: Wir sind geübt in positivem Denken.

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