Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 7

28. Mai 2022 (Lettland - Valmiera)
​Die WM-Quali ist vorbei. Team Liechtenstein hat es am Schluss nochmals krachen lassen.

Die Mission «Latvia 2022» ist für das Team Liechtenstein Geschichte. Das Wichtigste vorneweg: Alle Spieler sind gesund und, äh, zumindest unversehrt am Sonntagabend in der Heimat angekommen. Erstmals gab es dabei sogar einen kleinen Empfang am Flughafen Zürich-Kloten. Ballons und eine Liechtensteiner Flagge haben wir bei der Rückkehr nicht erwartet, herzlichen Dank für die Überraschung. Da hat dann auch jeder Spieler gemerkt, was die erfreulichen Resultate an der WM-Quali zu Hause ausgelöst haben.

 

Schon morgens um 8 Uhr stand der Car, der uns nach Riga bringen sollte, am Sonntagmorgen parat. Nur gerade mit zwölf Minuten Verspätung erfolgte die Abfahrt. Ein kleines Wunder nach einer anstrengenden Nacht. 18 der 21 Delegationsmitglieder schafften es (mehr oder weniger) pünktlich zur Abfahrt. Nur ein Zimmer verpennte komplett. Und es war nicht, das dafür hochgehandelte «Junioren-Zimmer». Nein, der Nachwuchs hatte pflichtbewusst schon früh die Koffer gepackt und den Wecker rechtzeitig gestellt. Dass einer aus dem Trio im Gang schlief, weil er seine Zimmerkarte nicht fand, ist eigentlich fast nicht erwähnenswert. Dafür wurde das «Schaaner» Zimmer aber vom «Pseudofranz» höchstpersönlich lautstark kurz vor 8 Uhr geweckt. Selten wurden Koffer schneller gepackt. Und Gerüchten zu Folge soll es auch in anderen Zimmern ziemlich hektische Momente vor der Abfahrt gegeben haben.

 

Ja, es ging rund am Samstag. Fangen wir mal mit dem Spiel gegen Ungarn an. Unbedingt wollte sich auch der Capitano in die Torschützenliste eintragen lassen. Er traf auch bereits nach 22 Sekunden – leider ins eigene Tor. Immerhin: Ein sauberer One-Touch-Treffer mit dem starken rechten Fuss. Besser machte es Junior Heeb. Der ungekrönte Insta-König erzielte sein erstes Doppelpack im Natitrikot und durfte sich über den Best-Player-Award freuen. Mit drei Treffern in vier Spielen wandelt er auf den Spuren von Remo Tischhauser. Aber die Fussstapfen des Grabser Bombers sind riesig: In mittlerweile 13 Partien traf Remos Tischhausers auch unglaubliche 13-mal. «Und in diesem Turnier gab ich auch zwei Assists», stellte unsere Nummer 33 klar. Völlig verdient wurde ihm dann auch der MVP-Preis für den besten Spieler Liechtensteins überreicht.

 

Nach der Partie begannen schon früh die ersten Feierlichkeiten. «Bier her», hiess das Motto, und DJ-Coco übernahm mit dem vom «Pseudofranz» weitergereichten «Büezer»-Helm das Kommando. Nicht alle hatten ihre Freude an der spontanen Party vor der Halle. Mit den Worten, «man darf in Lettland nicht auf der Strasse Alkohol trinken», schickte Event-Koordinatorin Annjia die Truppe wieder zurück in die Halle. Auf der Tribüne war es dann wieder erlaubt – ein angenehmer Nebeneffekt beim Zuschauen der Finalpartie Schweden gegen Norwegen. Unsere norwegischen Freunde kamen dabei im Schlussdrittel arg unter die Räder. 7:1 gewann der Weltmeister.

 

Apropos Annjia: Wie ihr Alltag aussah, bekam der «Pseudofranz» schon unter der Woche mit, als ihre SMS mit Abfahrts- und Essenszeiten zwischen 23 und 2 Uhr nachts eintrudelten. Als Sie mit ihm am Samstag in eine Apotheke fuhr, um Krücken für den verletzten «Züzi» Robin zu holen, klingelte abwechselnd eines ihrer beiden Handys. Auf der kurzen Strecke zwischen Koceni und Valmiera (rund fünf Kilometer) erfolgte Zweimal ein Halt, damit sie die Rückrufe tätigen konnte. Unglaublich, was die Frau die letzte Woche leistete. Ihr letztes SMS kam am Sonntagabend, als wir schon im Zug Richtung Sargans unterwegs waren. «Die Blumen aus Zimmer XXX (Nummer d. Red. bekannt) werden nicht nachgeschickt. Ich habe sie den Damen an der Hotelreception zur Pflege übergeben.»

 

Nach dem Mittagessen stand dann auch endlich Coach Kipfers legendäre Abreibung auf dem Programm. Jeder Spieler und jedes Staffmitglied bekam sein Fett weg. Der Inhalt bleibt natürlich geheim, aber gut, dass der Dottore zum Ausstand jedem Delegationsmitglied «nur» ein «popeliges» Armband schenkte und keine Rolex wie Herr Haaland seinen (ehemaligen) Dortmunder Teamkollegen, war wirklich die Höhe 😊 Aber auch Kipfer selber kam nicht ungeschoren davon. Dass er verspätet zur WM-Qualifikation anreist, daran haben sich die Teammitglieder mittlerweile schon gewöhnt. Dass er die Infos vor dem letzten Training der Abreise aber via Sprachmitteilung aus dem Hotelpool in Mauritius durchgab, war wirklich die Höhe. «Ach, ihr habt bemerkt, dass ich da im Pool stand», fragte er schelmisch, «dann hab ich ja das Ziel erreicht.»

 

Endlich mal ohne den Liechtenstein-Trainingsanzug ging es abends zum gemeinsamen Abendessen. Das «Rates Varti» war vielleicht eine Spur zu fein, aber endlich sollte mal ein feines Essen auf den Tisch kommen. Die Jahresration Hartweizen haben wir diese Woche schon erhalten. Das (laut Eigenwerbung) «beste Restaurant in der Stadt» stand auch noch nach dem Besuch des Liechtensteiner Teams. Völlig unverständlich allerdings, dass drei Gäste neben uns nach nur fünf Minuten einen anderen Tisch verlangten. Paula und ihre Service-Kolleginnen nahmen es locker. Plötzlich standen dann auch unsere Lieblingsschiris aus Finnland bei uns im Raum. Das Duo Anssi/Silvo – ehrlich gesagt, keine Ahnung welcher, welcher ist – klopfte dann wie schon bei den Spielen locker knackige Sprüche. Und einer der beiden erzählte dann auch, dass er einst in Malbun Ferien machte und unbedingt auf einer Poststelle einen Liechtensteiner Stempel holen wollte. «Aber alle Poststellen waren dauernd geschlossen. Sogar in Vaduz selber», ärgerte er sich. Wird Zeit, dass wir den beiden mal eine Postkarte schicken.

 

Nicht alle hatten bei der Abreise daran gedacht, für den letzten Abend «normale» Klamotten mitzunehmen. So ging Junior Heeb dann halt in den Trainerhosen und dem eben erstandenen «Stand with Ukraine»-Shirt in den Ausgang. Aber auch so liess er in der Bar Tinte aka «Lukis Kinderdisco» die Puppen tanzen. Bei der scheinbar einzigen Bar in Valmiera – einer Kleinstadt mit 25000 Einwohnern – ging es dann nochmals rund. Nun kennen sie auch in Lettland die «Venus von Bümpliz». Leider kein liechtensteinisches Liedgut, aber global gesehen liegt Bümpliz ja auch gleich neben Balzers. Und Gerüchten zu Folge soll sogar der umstrittene Teamsong «Alphorn, Matterhorn» des desaströsen MC Seppli in der Tinte zu hören gewesen sein. Aber sagen wir es so: Was in der Tinte geschah, blieb auch in der Tinte. Zumindest fast.

 

Werden wir zum Schluss noch kurz seriös. Dass in besagter Spelunke auch die finnischen Spieler fleissig mit den Liechtensteiner Unihockeyaner plauderten, zeigte, dass die Achtung der Fürstensöhne in der letzten Woche stark angestiegen ist. Die guten Resultate haben sich in der Unihockeywelt herumgesprochen. «Plötzlich sagt dir im Kabinengang jeder ‘Hallo’», bemerkte Torjäger Neff, «früher haben sie uns kaum angeschaut». Es war förmlich zu spüren, dass die Liechtensteiner als vollwertige Gegner wahrgenommen wurden. «Die Belgier haben sich furchtbar geärgert über die Niederlage», wurde uns von holländischen Spielern mitgeteilt, die im gleichen Hotel wie die Belgier lebten. Ob diese wohl mittlerweile wissen, dass gut die Hälfte unseres Teams auf dem Kleinfeld spielt? Wie auch immer, die Anerkennung der arrivierten Nationen war wohl das grösste Lob für alle Beteiligten der Liechtensteiner Delegation. Ein Gefühl, auf dem sich die Vorbereitung für die Qualifikation 2024 aufbauen lässt.
 

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