Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 5

26. Mai 2022 (Lettland - Valmiera)
Am fünften WM-Quali-Tag hiess es, gegen Polen verloren – an Freude gewonnen.

 

Fangen wir an mit dem Höhepunkt des Tages: Mit dem Essen im Hotel (Reis mit Hühnchen zum Mittagessen und Hartweizen mit Hühnchen zum Abendessen, wen’s interessiert) – Nein, natürlich mit der Partie gegen Polen. Ja, da haben sich ein paar die Augen gerieben. Der einstige «Prügelknabe» Liechtenstein ist erwachsen geworden, so leicht schiesst man die Tore nicht mehr gegen uns. Gab’s da aber zweimal ein Donnerwetter in den Pausen in der polnischen Kabine. Und auch wenn eine Niederlage halt immer noch eine Niederlage ist – das 2:4 war wirklich auch ein bisschen ein kleiner Sieg für uns. Denn die Polen zitterten schon ein wenig und wer weiss, wenn sie nicht noch einen starken Goalie zwischen den Pfosten gehabt hätten… was damit gesagt werden will: Die Stimmung ist trotz der zweiten Niederlage im zweiten Spiel im liechtensteinischen Team immer noch sehr gut. Die älteren, äh routinierteren, Kadermitglieder haben da schon ganz andere Pleiten erlebt. Gegen Polen beispielsweise stand es vor vier Jahren 1:1 nach dem ersten Drittel. Am Ende hiess es dann 1:10.

 

Apropos starker Goalie: Unsere Nummer 99 Lukas Good zog wieder mal einen verdammt starken Tag ein. 24 Saves zählten die Statistiker gegen Polen. Das kommt zwar nicht an seine Rekordmarke von 71 Paraden – 2018 gegen Finnland beim 0:24 – heran, trotzdem war der «Schlukas» hellwach zwischen den Pfosten. Das ist umso bemerkenswerter, weil der junge Mann aus Plons sonst eher einen, sagen wir mal, schläfrigen Eindruck hinterlässt. «Lukas, bisch müed», fragte Coach Kipfer bei der heutigen morgendlichen Theoriestunde, «i ha no nid zwöi Sätz gseit u du hesch scho zwöimau gähnet». Ja, so isser, unser Luki. Aber wenn er Bälle sieht, dann wacht er auf. Und das müssen nicht nur Unihockeybälle sein. Nein, auch an Lettlands Nationalsportart Basketball ist er interessiert, wie sich diese Woche gezeigt hat. Belohnt wurde er übrigens heute mit dem Best-Player-Preis. Und was stand auf der dazugehörenden Box: Made in Poland…

 

Apropos Lukas Good und nicht aus der Ruhe bringen lassen: Kurz vor Anpfiff des zweiten Drittels merkte er, dass sich eine Schraube, welches das Gitter an seiner Goaliemaske hält, gelöst hatte. Der finnische Schiri teilte ihm dann mit, dass er nur eine Minute für die Reparatur Zeit habe, sonst müsse der Torwart gewechselt werden – oder er ziehe eine andere Maske an. Aus Zeitmangel – Werkzeug war grad keines zur Hand – entschied er sich für Variante B. Kurzerhand setzte er sich also mit der Maske -einem komplett anderen Modell - von Backupgoalie Pascal Müller ins Tor, während Teamkollege Lino Heeb in die Garderobe rannte und einen Schraubenzieher holte. Während dann auf der Bank eifrig geschraubt wurde, kassierte Good leider mit der Müller-Maske das 0:2. Schade. Und hätte der IFF-Fotograf sein Tagewerk nicht schon nach dem ersten Drittel beendet, hätte er das seltene Vergnügen gehabt, einen Torhüter mit zwei verschiedenen Masken während eines Spiels zu fotografieren. Ach ja: Der eifrige Helfer Heeb erhielt nach dem Spiel von seinem Onkel ein SMS mit den Worten, «gar nicht gewusst, dass ein Zimmermann mit so einem feinen Schraubenzieher umgehen kann.» Die Helmreparatur wurde auch gross im Livestream gezeigt…

 

Leider war auch Liechtensteins betriebsinterner «Hofjournalist» zum gleichen Zeitpunkt grad anderweitig beschäftigt. Während der wahre Kaiser Franz jeweils in stoischer Ruhe die Partien seiner Mannschaft anschauen durfte, ist der «Pseudofranz» in diesem Jahr arg gefordert. Sein Job: Die mittlerweile schon legendären «Nackentüechli» - eine Geheimwaffe von Physiotherapeut Marcel, immer feucht halten. Heisst, während 45 Minuten ist er praktisch permanent damit beschäftigt, Tücher in kaltes Wasser zu tunken, auszuwringen und bereitzulegen. «Ich hatte Muskelkater in den Finger», gestand er nach der ersten Partie, von welcher er praktisch nix sah. Bei Spiel 2 wurde dann eine kleine «Tüechli»-Station aufgebaut, sodass der Chef de Mission auch was vom Spiel mitbekam. Das Ganze sah dann fast wie eine Dönerbude aus. «Einmal mit scharf», hiess das Motto. Bei den heissen Temperaturen in der Halle sind die kühlenden «Tüechli» aber Gold wert.

 

Wie immer haben wir auch einen Blick auf die anderen Turniere. Die Hotel-Fernseher sind so neu – da müssen sogar die TV-Programme neu geladen werden. Dafür ist YouTube integriert. Natürlich perfekt für eine WM-Quali, wo auf zwei IFF-Kanälen die Spiele übertragen werden. Zu gerne wären wir einmal nach Italien gefahren an eine WM-Quali. Das hatten wir ja doch noch nie. Die Bilder aus Celano wissen zu gefallen. Amüsant ist, dass die Streams teilweise kommentiert werden. Von einer männlichen Person, die sich im Unihockey auskennt, aber «nur» italienisch spricht. Und von einer Frau, die den Sport scheinbar nicht kennt, dafür so etwas wie Englisch spricht. Heisst, sie übersetzt in einem Satz auf «Italienglisch», was er in sieben Sätzen zuvor gesagt hat. Bei einem Spiel wurde es ihm aber zu langweilig und er begann mit ihr zu plaudern. Natürlich gab sie auf seine italienischen Fragen auf Englisch Antwort 😊
 

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