Nationalmannschaft: WM-Quali-Tagebuch 4

24. Mai 2022 (Lettland - Valmiera)
Der erste Spieltag ist vorbei. Da kann man schon mal auf den Hund kommen.

 

Endlich ist Team Liechtenstein in Lettland komplett. In der Dienstagnacht kam auch das Nachzüglertrio Marco Kipfer, Remo Frei und Fabian Beck im Jana Dalina Stadium Hotel an. Coach Kipfer hatte dabei eine ganz besondere Anreise. Nach zwei Wochen Ferien in Mauritius flog er – mit Zwischenlandung auf den Seychellen – 20 Stunden Richtung Heimat, wo er am Montagabend landete. Tags darauf ging dann die Reise nach München, wo der Flieger nach Riga abhob. «Standesgemäss» empfing er die Truppe am Mittwochmorgen um 8 Uhr nach einer ganz kurzen Nacht mit einer einstündigen Theorie. Erholt sollte er ja sein nach zwei Wochen Ferien. «Vom Fliegen habe ich momentan aber grad genug».

 

Mit kompletter Besatzung ging es dann auf zum ersten Spiel. Wie immer eine Partie voller Ungewissheit. Zusätzlich wartete mit Norwegen der vermeintlich stärkste Gruppengegner. Doch schon vor Anpfiff tat sich Historisches: Liechtenstein hatte mehr Spieler auf dem Matchblatt als sein Gegner! Das gabs wohl zuletzt 2010 in Spanien wo zehn müde Liechtensteiner sechs auf dem Zahnfleisch laufende Georgier 5:1 besiegten. Des Rätsels Lösung: In diesem Jahr sind nur 15 Spieler auf dem Matchblatt erlaubt und bei Norwegen verzichtete Winterthurs Söldner Markus Lindjerdet wegen einer Erkältung kurzfristig auf die Reise nach Lettland. Ersetzt wurde er aber nicht.

 

Mit 1:13 kam Liechtenstein besser weg als auch schon. Allerdings muss auch gesagt werden, dass von den restlichen 14 norwegischen Feldspielern elf Neulinge waren. Kein Vergleich mehr zur WM-Mannschaft des vergangenen Dezembers. Vor allem unseren alten Freund Kjetil Kronberg haben wir vermisst. Aber mit 42 Jahren muss man sich eine WM-Quali in der lettischen Pampa nicht mehr antun. Trotzdem hatte die norwegische Equipe viel Qualität. Und was besonders erfreulich ist: Es ist auch eine wirklich angenehme Truppe, wie wir im «Zusammenleben» im Hotel gemerkt haben. Als Beispiel: Zum Waschen der Tenüs wurde den Teams eine einzige Waschmaschine zur Verfügung gestellt. Der norwegische Materialwart war etwas schneller als Liechtensteins Waschtrupp. Nach kurzer Diskussion liess sich dann aber rasch eine gütliche Lösung finden – nach zwei norwegischen Waschgängen durften wir ran, ehe die Norweger noch den Rest wuschen.

 

Ja ja, die lieben Organisatoren. Dass die ganze Organisation des Events etwas wacklig ist, haben wir schon rasch gespürt. Informationen, die normalerweise Wochen vor der Quali verteilt werden, kamen erst letzte Woche an. Und sind aktuell doch nicht gültig. Um 2 Uhr nachts beispielsweise «durfte» der «Pseudofranz» noch mit der Logistikchefin Annija um eine frühere – respektive die ursprünglich abgemachte - Abfahrtszeit feilschen. Nach einer halben Stunde Verhandeln kam dann endlich das «Go». Mittlerweile haben wir erfahren, dass Annija eigentlich «nur» Lettlands Team-Managerin wäre, aber kurzfristig einsprang, da die ursprünglich zuständige Person kurz vor der Quali den Bettel hinschmiss. Nun arbeitet die arme Annija praktisch 24 Stunden durch. «Ich habe Kaffee, das muss reichen», meinte sie bloss. Wir hoffen, sie hat nach dieser Woche Ferien. Am besten in Mauritius.

 

Wir haben ja schon vieles gesehen bei WM-Qualifikationen. Aber noch nie einen Schiedsrichter, der mit einem Hund in die Halle kam. «Ist mein Blindenhund», sagte einer unserer heutigen finnischen Schiedsrichter scherzhaft und lief dann gemütlich mit seiner Hündin in die Schiri-Garderobe. Die gutmütige Dame blieb dann auch während des Spiels dort. Ob das so tierfreundlich ist, fragten wir uns natürlich. «Sie kennt das», beschwichtigte der Ref, er gehe auch viel mit ihr spazieren. «Das muss ein finnischer Hund sein», meinte später unser Capitano, «der ist halt gern allein». Und so nebenbei gesagt: Einen Blindenhund hatten die Schiris nicht nötig. Selten hatten wir souveränere Refs. Es sei ein guter Warm-Up gewesen für die nächsten Tage, meinten sie. So kann man es auch ausdrücken.

 

Kein Tagebuch ohne Essensbeitrag. Mittlerweile kann man fast Lotto spielen, was es für Mahlzeiten gibt. Eine grosse Trefferquote verspricht Hartweizen – oder halt Ebly, wie es bei uns oft genannt wird -, Reis, Hühnchen oder Grundbirnen. Etwas davon ist sicher auf dem Teller. Kulinarischer «Höhepunkt» war aber die Pasta am Montagabend. Respektive die Sauce: Ein Klatsch Ketchup. Der Gesichtsausdruck bei unserem «ein-ganz-klein-wenig-noch-Italiener» Baracchi – unbezahlbar. Und wenn wir grad bei Speis und Trank sind, noch ein Nachtrag zum #coffeegate des ersten Tages: Mittlerweile ist die «richtige» Kaffeemaschine tatsächlich in Betrieb. Je nach Lust und Laune des Personals, gibt es auch einen (richtig feinen) Cafi. Oder wenn einfach unser Häsi seinen Charme spielen lässt. Danke Häsi!

 

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Schiri ohne Hund mit Häsi.jpg