Glücklich, aber ausgeschieden
(Ligacup 1/8-Finale Damen)

Es war alle angerichtet für das wohl grösste Spiel der Saison, vielleicht sogar in der Geschichte des UHCS: Die Damen baten den Erstligist aus der Zürcher Agglo zum Tanz. Das heimische Resch gut gefüllt, die Stimmung top und die kreativen Motivationsplakate in der Kabine aufgehängt. Unter den letzten 16 Mannschaften der ganzen Schweiz zu sein, benötigt keinerlei Erklärung zur Bedeutung des Spiels. Das Ziel wurde schon lange erreicht, nun spielte man um den Traum. Verspürt man vor so einer Partie keine Nervosität ist man wohl mehr Maschine als Mensch. Als Aussenstehender möchte man jeder einzelnen Spielerin sagen «es kommt schon gut», aber als Sportlerin weiss man eben auch genau, dass in solchen Momenten nur noch die eigene Einstellung zählt: Wille, Glaube, Mut und Leidenschaft.

UHC Schaan – Floorball Albis 6:7 (1:4 / 3:2 / 2:1)

Eine gewisse Nervosität war unseren Frauen in den ersten Spielminuten anzumerken, was ab und an vermutlich auch eine Erklärung für die fehlende Zuordnung in der Defensive war. Es war jetzt kein Feuerwerk, was die Zürcherinnen ablieferten, doch tauchten sie immer wieder gefährlich vor De-Marchi auf. Von diesen Chancen konnten sie dann in den ersten zehn Minuten auch zwei erfolgreich verwerten (0:2), doch den darauf verschossenen Penalty zeigte auch im gegnerischen Spiel eine gewisse Unsicherheit. Vielleicht brauchte Blau-Gelb diese «Wake-Up Calls». Denn anschliessend wurde zumindest das Defensiv-Verhalten um einiges stabiler. Zwar konnte Floorball Albis noch zwei weitere Treffer erzielen (0:4), aber die entscheidende Reaktion vermisste man vor allem in der Offensive. Wenige Minuten vor der ersten Pause war es dann Good auf Pass von Walser, welche das scheinbar erlösende erste Tor erzielen konnte (1:4). Man konnte die Erleichterung auf und neben dem Feld merklich spüren. Ein erstes Ausrufezeichen noch vor dem zweiten Drittel und enorm wichtig.

 

Denn im Mitteldrittel schalteten die Frauen langsam aber sicher in die höheren Gänge. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff schlugen die Gelb-Blauen mit einem Doppelpack durch Locher und Frommelt zu (3:4), wobei man mittlerweile davon ausgehen konnte, dass dieses Spiel keine klare Nummer werden sollte. Allmählich begriffen auch die Zürcherinnen, dass es heute wohl kein Schaulaufen wird, sondern schon ein bisschen mehr braucht. Die Antwort folgte prompt mit einem Doppelschlag ihrerseits, was den Dreitore-Abstand wiederherstellte (3:6). Sekunden vor Ende des zweiten Drittels war es dann aber erneute Locher auf Pass von Dolf, welche auf 4:6 verkürzen konnte. Das machte definitiv Mut und Lust auf den Schlussabschnitt.

 

Schnuppert man an einer Sensation läuft man schnell Gefahr, die Ruhe und Geduld in Übermut zu tauschen, was sich dann vor allem in unnötigen Strafen rächt. Zwei solcher Unterzahlsituationen konnte man mit viel Kampf und Ausdauer überstehen, ohne ein Gegentreffer zu kassieren. Letztere Strafe war ein wenig fragwürdig, da De-Marchi diese wegen Reklamierens bekam, obwohl die Worte gemäss interner Quelle mehr an die eigenen Spielerinnen als an den Schiedsrichter gemeint waren. Spiele aber keine Rolle, denn anscheinend brauchten die Schaanerinnen ein paar laute Rufe, um nun endgültig den Turbo zu zünden.

Captain Kalberer brachte fünf Minuten vor Ende mit dem 5:6 jetzt die Partie an den Siedepunkt. Eine weitere 2-Minuten Strafe liess auf den Rängen die Hoffnung schwinden, doch nicht im Unterzahlspiel von Dolf und Walser. Alles auf eine Karte gesetzt, erkämpfte sich Letztere den Ball und zog vors gegnerische Tor. Da stand dann eben Dolf goldrichtig, schob zum 6:6 ein und brachte die Menge zum Ausrasten. Die Halle stand Kopf. Immer noch mit viel Euphorie und eben auch immer noch in Unterzahl, schaffte es aber Floorball Albis mit mehr Glück als Verstand doch noch, wieder in Führung zu gehen (6:7). Als wenige Sekunden vor Spielende eine Strafe gegen die Zürcherinnen ausgesprochen wurde, kam noch einmal grosses Hoffen auf, doch die Zeit reichte leider nicht mehr und eine hochspannende, emotionsgeladene Partie fand ihr Ende.    

 

Wie einleitend beschrieben, macht in solchen Spielen meistens die Einstellung den Unterschied. Das Spiel wird über den Kampf entschieden. Schaut man auf die anderen Resultate der Achtelfinals, mag das nicht immer stimmen, da gibt es einfach die Besseren und die Schlechteren.

Nach diesem Spiel darf man behaupten, dass vielleicht die bessere Mannschaft gewonnen hat, was aber eben dieser Wille, Glaube, Mut und Leidenschaft anbelangt, gab es gefühlt nur einen Sieger. Und dieser hüpfte und tanzte dann nach Abpfiff auch entsprechend ausgelassen - trotz Niederlage. In die nächste Runde kommt man deswegen nicht, schon klar, doch kaufen kann man sich davon einiges: Stolz, Anerkennung und den Schwung, sich nun in die 2. Liga zu schiessen.

 

 

Tore UHC Schaan: 1:4 Good (Walser), 2:4 Locher, 3:4 Frommelt (Marquart), 4:6 Locher (Dolf), 5:6 Kalberer, 6:6 Dolf (Walser)

Kader: De-Marchi; Bislin, Kalberer, Locher; Dolf, Frommelt, Good, Marquart, Plank, Walser 

Bericht: Pascal Müller

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